Hochwasserschutz Polder Sulzbach

26. August 2021 : Arbeiten am Hochwasserschutz im Polder Sulzbach verlaufen planmäßig, 3 km Deich sind bereits geschüttet.
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Mariaposching / Pfelling. Am Mittwoch folgte die Wasserbauliche Infrastrukturgesellschaft mbH (WIGES) einer guten Tradition und gab einen ausführlichen Einblick in die aktuell an der Donau laufenden Bauarbeiten zum Hochwasserschutz im Polder Sulzbach. Für die WIGES berichtete Bauoberleiter Christian Eckl und deren Öffentlichkeitsbeauftragter Dominik Zehatschek, als Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes trugen der Ab­teilungsleiter Hochwasserschutz Christian Reichgruber und Alexander Eiblmeier vor. Im Polder Sulzbach, der im Westen vom Pfellinger Bach und im Osten von der Schwarzach begrenzt wird liegen die Ortschaften Waltendorf, Loham, Fahrndof, Mariaposching und Hundldorf sowie zahlreiche kleiner Siedlungen und Anwesen. Mit der Errichtung der neuen Hochwasserdeiche, die als Volldeiche in Erdbauweise mit Innendichtung konzipiert sind, wird der gesamte Polder vor einem 100-jählichem Hochwasserereignis geschützt, gleichzeitig wird der Retentionsraum der Donau erhöht. Derzeit laufen die Bauarbeiten am Deich Waltendorf, der neue Hochwasserschutz wird auf der Ostseite des Pfellinger Baches in einer Länge von 600 m von der Staatsstraße bis zur Donau errichtet. Über den Pfellinger Bach führt eine Trogbrücke die beiderseits mit einem Deichbalkenverschlüssen versehen wurde. Von der Brücke bis zur Siedlung Lenzing wurde der Deich in rückverlegter Lage auf einer Länge von ca. 730 m in einer Höhe bis zu 2,90 m neu gebaut. Im Bereich der Siedlung Lenzing muss auf Grund der beengten Platzverhältnisse eine Hochwasserschutzwand mit einer Länge von ca. 300m / Höhe etwa 1,0 m auf den Damm gesetzt werden. Das neue Schöpfwerk Lenzing, das mit einer Leistung von 140 l/s für die Binnenentwässerung in diesem Bereich sorgt ist als erstes von 4 Schöpfwerken im Polder Sulzbach fertiggestellt worden und ist betriebsfertig. Der erste Bauabschnitt des Deiches Waltendorf reicht weiter bis zur Höhe der Siedlung Albertskirchen mit einer Gesamtlänge von rund 3 km, dort wird ein Querdeich vom neuen zum bestehenden Donaudeich gezogen um die Hochwassersicherheit während der Bauarbeiten zu gewährleisten. Im Zuge der Baumaßnahme werden die Schöpfwerke Waltendorf, dort sind gerade Betonbauarbeiten im Gange und Mariaposching, hier wird die Baustelle für die geplanten Tiefbauarbeiten vorbereitet neu gebaut die der Binnenentwässerung dienen. Das  Schöpfwerk Waltendorf erhält eine Pumpenleistung von 2000 l/s, das Mariaposchinger Pumphaus fördert 1150 l/s und erhält zusätzlich eine Pumpstation das die anfallenden Drainagewässer mit 150 l/s in den Mahlbusen des Schöpfwerks befördert. Die vorhandenen alten Schöpfwerke werden im Zuge der Deichbauarbeiten rückgebaut. Bei der Mündung des Pfellinger Baches in die Donau ist der Rückbau bereits erfolgt, der Verlauf des alten Donaudamms ist nur an einem noch nicht bewachsenen Humusstreifen erkennbar. Der nächste Bauabschnitt des Deiches Waltendorf der Donauabwärts in Richtung Mariaposching führt soll im Frühjahr 2022 starten, die Ausschreibungen dazu laufen. Dominik Zehatschek stellte dazu fest, dass nach der Fertigstellung der neuen Deich, die vorhandene Deichtrasse abgetragen wird, dass dabei gewonnenen Material wird größtenteils für den Bau der neuen Deiche verwendet. Der Humus der auf der Schüttfläche des neuen Deiches entfernt werden muss wird mittels eines Oberbodenmanagements verarbeitet. Christian Reichgruber stellte dazu fest dass dieser Humus unter bestimmten Auflagen und der Erteilung von Genehmigungen durch das Landratsamt an Landwirte zur Verbesserung der Bodenstruktur abgegeben und auf Ackerflächen aufgebracht werden kann. Die beim Rückbau der Deiche gewonnenen Grassoden werden zur Gänze auf den neuen Deichen aufgebracht. Diese Maßnahme so Christian Eckl dient dazu, dass der Bewuchs des neuen Deichs ähnlich dem der bestehenden Deiche ist. Auf die Frage nach den Innendichtungen der neuen Deiche stellt der Oberbauleiter fest, dass diese zum Großteil mit einer Erdbetonwand realisiert werden die Grundwasserflüsse und damit der Grundwasseraustausch werden dadurch nicht beeinträchtig. Im Bereich Lenzing wird die Innendichtung mittels einer Stahlspundwand durchgeführt, auf der die Hochwasserschutzmauer aufliegt. Sowohl Christian Reichgruber als auch Dominik Zehatschek wiesen darauf hin, dass gerade im Polder Sulzbach durch die Rückverlegung der Deiche zum Teil um bis zu 400 m von der Donau weg, ein enormer Retentionsraum gewonnen wird, dadurch werden die Unterlieger der Donau durch die Baumaßnahme bei zukünftigen Hochwässern nicht beeinträchtig. Gleichzeitig ist mit einer Absenkung zukünftiger Hochwasserspiegel im Polder zu rechnen. Sehr umfangreich waren so Oberbauleiter Eckl die Maßnahmen zur Ökologie und zur Archäologie die bereits Jahre vor den Bauarbeiten des Deiches durchgeführt wurden. Etwa 9 km Amphibien-schutzzäune mussten errichtet und in einem guten Zustand erhalten werden um die Fläche der Bauarbeiten frei von Fröschen oder anderen Amphibien zu halten. Die Archäologen fanden zahleiche hochinteressante Stücke und konnten neue Erkenntnisse über die Siedlungsgeschichte des Raumes gewinnen. Ebenfalls neu errichtet werden die Deichhinterwege und die Überquerungen des Deiches, damit die vorher bestehenden Wegebeziehungen wiederhergestellt bzw. aufrecht erhalten werden können. Von der Trogbrücke über den Pfellinger Bach bis zur Hofstelle Lenzing dient der Deichhinterweg als Gemeindeverbindungsstraße. Nach Lenzing führt der neue Donauradweg bis zur Überfahrt bei Petzendorf auf der Deichkrone, die mit Schotter befestigt wird. In diesem Zusammenhang stellte der Oberbauleiter fest, dass immer wieder unvernünftige Radfahrer trotz der gut beschilderten Umleitung des Donauradweges auf die Baustraßen fahren und sich der Gefahr des Baustellenverkehrs aussetzen. Dies so Eckl stellt nicht nur eine Beeinträchtigung des Baustellenverkehrs dar, sondern bringt auch Unfallgefahren für die Radfahrer mit sich. Der Abschluss der Bauarbeiten der Hochwasserschutzmaßnahmen im Polder Sulzbach soll nach bisheriger Planung der WIGES im Jahr 2026 erfolgen. Ob und wie sich die Corona-bedingten Verzögerungen der Lieferketten für Baumaterialien auf diese Planung auswirken ist jedoch derzeit nicht absehbar. In wie weit die geschätzten Kosten für die umfangreichen Baumaßnahmen, die einschließlich der Sonderbauten wie Brücken und Schöpfwerke sowie des Grunderwerbes auf 54,5 Mio. € veranschlagt wurden ist ebenfalls noch nicht absehbar.